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Aufsatz erscheint in: Zeugenschaft: Kulturelle Wurzeln, mediale Formen und kulturelles Gedächtnis, hrsg. von Günter Thomas, Verlag noch offen, 2009.

Mike Sandbothe

Alice Millers therapeutisches Konzept des „Helfenden“ bzw. „Wissenden Zeugen“: Eine pragmatistische Lektüre

Abstract

Alice Miller ist eine international anerkannte Kindheitsforscherin, die lange Zeit als Psychoanalytikerin gearbeitet hat. In ihren weltweit publizierten Büchern hebt sie die Bedeutung hervor, welche die Bezeugung und darauf basierende Verarbeitungsmöglichkeit von (früh-)kindlich erlebten Demütigungen und Grausamkeiten für die gelingende Entfaltung menschlicher Persönlichkeiten haben können. Als “Helfende Zeugen” bezeichnet Miller dabei Personen, die misshandelten Kindern beistehen und ihnen Sympathie und Liebe entgegenbringen. Diese Personen haben häufig von den (langfristigen) Folgen von Kindesmisshandlungen kein reflektiertes Wissen. Ist ihnen ein solches Wissen jedoch zugänglich, weil sie sich beispielsweise selbst erfolgreich mit ihrer eigenen Kindheit auseinander gesetzt haben, spricht Miller von „Wissenden Zeugen“. Der Beitrag bezieht die individual- und gesellschaftstherapeutischen Untersuchungen der Autorin auf aktuelle Grundlagenfragen der Moralphilosophie. Im Zentrum steht dabei der vom amerikanischen Philosophen Richard Rorty vorgelegte pragmatistische Entwurf einer vertrauensbasierten „Ethik ohne Pflichten“ (Rorty, 1994).

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