dog
» Home

erschienen in: Die Renaissance des Pragmatismus. Aktuelle Verflechtungen zwischen analytischer und kontinentaler Philosophie, hrsg. von Mike Sandbothe, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2000.

Mike Sandbothe

Die pragmatische Wende des linguistic turn

Die moderne Fachphilosophie befindet sich gegenwärtig in einer Übergangssituation. Diese Übergangssituation ist dadurch geprägt, daß neben das lange Zeit dominierende theoretizistische Selbstverständnis der akademischen Philosophie, in dessen Zentrum die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit menschlicher Erkenntnis steht, zunehmend pragmatistische Alternativentwürfe treten.1 Diese Alternativentwürfe schlagen vor, den Schwerpunkt des philosophischen Selbstverständnisses nicht länger auf die theoretizistische Frage nach den Möglichkeitsbedingungen unserer Wirklichkeitserkenntnis, sondern vielmehr auf die intelligente Mitgestaltung der pragmatischen Weisen menschlicher Wirklichkeitsveränderung zu legen. Die institutionelle Vorentscheidung für eine theoretizistische Aufgabenbestimmung des akademischen Lehrfachs der Philosophie, die im 19. Jahrhundert getroffen wurde2, ist im Rahmen des linguistic turn, den die moderne Philosophie im 20. Jahrhundert vollzogen hat, nicht einfach nur fortgeschrieben, sondern zugleich auch problematisiert worden.

Die folgenden Überlegungen versuchen, das Spannungsverhältnis von pragmatistischen und theoretizistischen Philosophieverständnissen freizulegen, das den linguistic turn in seinem Inneren durchzieht. Dies geschieht im Rückgriff auf historisch-systematische Überlegungen, die Richard Rorty in der Introduction zu dem von ihm herausgegebenen Band The Linguistic Turn (1967) skizziert und in seinen späteren Schriften weiter ausgearbeitet hat. Dabei wird Rortys pragmatistisch perspektivierte Geschichte der neueren analytischen Philosophie, die keinesfalls beansprucht, eine akademisch konsensuelle Standardsicht dieser Entwicklung wiederzugeben, als Instrument eingesetzt, um das für die Übergangssituation der Gegenwartsphilosophie charakteristische metaphilosophische Spannungsverhältnis auf dem Weg einer genealogischen Rekonstruktion herauszuarbeiten.

1) Drei Ambivalenzen des linguistic turn

Rorty hat den Begriff des linguistic turn 1967 in dem von ihm herausgegebenen, gleichnamigen Sammelband kurrent gemacht. In der Introduction zu seinem Band verweist er auf Gustav Bergmann, der den Begriff in den fünfziger Jahren geprägt hat. In dem 1952 erschienenen Aufsatz Two Types of Linguistic Philosophy lautet Bergmanns einführende Formulierung: „Of late philosophy has taken a linguistic turn. At least this is true of a large and, by general agreement, significant part of all philosophical activity that went on in the English-speaking countries during the last one or two generations. (...). Yet the influence of three men, Moore, Russell, and Wittgenstein, stands out. Virtually all living linguistic philosophers are either directly or indirectly students of at least one of them.“3 Bergmann versteht den linguistic turn als eine Wende in der englischsprachigen Philosophie des 20. Jahrhunderts, deren Grundzug – so seine spätere Bestimmung in dem 1960 erschienenen Aufsatz Strawson’s Ontology - darin bestehe, daß „talk about the world by means of talking about a suitable language“4 erfolgt.5 Und Bergmann fährt fort: „This is the linguistic turn, the fundamental gambit as to method, on which ordinary and ideal language philosophers (...) agree.“6

Ohne den Begriff linguistic turn zu verwenden, hat Willard Van Orman Quine, unter dem Titel des semantic ascent im Schlußkapitel seines Buchs Wort und Gegenstand (1960) eine ähnliche Bestimmung der von Bergmann beschriebenen Wende gegeben. Quine, auf den Rorty in seiner Introduction ebenfalls verweist, beschreibt „das nützliche und vielgebrauchte Verfahren (...), das ich semantischen Aufstieg nenne“7, folgendermaßen: „Es ist der Übergang von der Rede in bestimmten Begriffen zur Rede über diese Begriffe. (...). Die Strategie des semantischen Aufstiegs besteht darin, die Diskussion auf eine Ebene zu verlagern, auf der die Parteien über ihre Gegenstände (nämlich Wörter) und die sie betreffenden Hauptbegriffe in stärkerem Maße übereinstimmen.“8

Der in den Formulierungen von Bergmann und Quine zum Ausdruck kommende Anspruch der Verfechter des linguistic turn besteht darin, der Philosophie eine Methode an die Hand zu geben, die es ihr ermöglichen soll, philosophische Probleme auf systematische Weise zu lösen bzw. aufzulösen. In diesem umfassenden Sinn schreibt Rorty gleich zu Beginn seiner Introduction mit Blick auf „the most recent philosophical revolution, that of linguistic philosophy“: „I shall mean by ‚linguistic philosophy‘ the view that philosophical problems are problems which may be solved (or dissolved) either by reforming language, or by understanding more about the language we presently use.“9Mit philosophischen Problemen sind dabei die Grundprobleme der modernen Philosophie gemeint, in deren Zentrum die theoretizistische Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis steht.

Daß Rorty bereits in seiner Introduction von 1967 die inneren Ambivalenzen des linguistic turn in den Vordergrund stellt, ist häufig übersehen worden. Das liegt zum Teil wohl auch daran, daß Rorty diese nicht explizit als Ambivalenzen bezeichnet hat. Um die inneren Spannungen, die den linguistic turn durchziehen, in aller Deutlichkeit hervortreten zu lassen, werden im folgenden drei Ambivalenzen freigelegt, die sich aus Rortys frühen Überlegungen zum linguistic turn ablesen lassen. Mit ‚Ambivalenzen‘ sind dabei sowohl die internen Zwiespältigkeiten gemeint, die sich im Selbstverständnis der Protagonisten des linguistic turn finden, als auch die externen Doppeldeutigkeiten, die sich ergeben, wenn man die unterschiedlichen Versionen des linguistic turn zueinander ins Verhältnis setzt.

Zur Explikation der drei Ambivalenzen ist es hilfreich, sich vor Augen zu führen, daß Rortys Auseinandersetzung mit dem linguistic turn bei einer Basisthese ansetzt, welche die beiden konkurrierenden Schulen von linguistischen Philosophen, die sich in den fünfziger und sechziger Jahren ausdifferenziert haben, miteinander teilen. Bezüglich Ideal Language Philosophy und Ordinary Language Philosophy notiert Rorty: „I have tried to show that their programs are alternative means to the same ends, and that neither presupposes the sort of substantive philosophical theses to which their critics claim linguistic philosophy is committed. I have argued that those presuppositions which they do make boil down to a single, plausible claim: that we should not ask questions unless we can offer criteria for satisfactory answers to those questions.“10

Die sich im ersten Teil dieses Zitats andeutende erste Ambivalenz des linguistic turn läßt sich folgendermaßen explizieren: Während die Vertreter des logischen Empirismus (Russell, Carnap, Ayer) in ihren frühen Publikationen die Auffassung vertraten, daß es mit den von Frege, Russell, Whitehead und dem frühen Wittgenstein zur Verfügung gestellten Mitteln der formalen Logik möglich sei, einen philosophisch neutralen Raum logischer Sinnkritierien in der inneren Tiefenstruktur von Alltags- und Wissenschaftssprache selbst freizulegen, wird diese starke Voraussetzung im Zuge der Ausdifferenzierung des linguistic turn fallengelassen. An ihre Stelle treten Versuche, idealsprachenrelative bzw. gebrauchssprachenabhängige Sinnkriterien namhaft zu machen, die entweder auf dem Weg einer kritischen Sprachreform durch Konstruktion einer Idealsprache (Carnap II, Ayer II, Bergmann u.a.) oder auf dem Weg einer deskriptiven Analyse des Gebrauchs von Alltags- und Wissenschaftssprache (Ryle, Austin, Strawson u.a.) zu gewinnen wären. Die erste Ambivalenz des linguistic turn läßt sich vor diesem Hintergrund als historische Ambivalenz beschreiben, die zwischen der frühen positivistischen Version der linguistischen Wende und den alternativen Wegen besteht, welche die Vertreter der Ideal und der Ordinary Language Philosophy später zur kritischen Reformulierung dieser Wende beschritten haben.

Die zweite und die dritte Ambivalenz des linguistic turn ergeben sich auf jeweils unterschiedliche Art und Weise aus der von Rorty im zweiten Teil des obigen Zitats herausgestellten Grundvoraussetzung, daß philosophische Fragen nicht gestellt werden sollten, solange keine immanent verbindlichen Kriterien für befriedigende Antworten zur Verfügung stehen. Diese Ansicht liegt den Versuchen von Ideal-Language- und Ordinary-Language-Philosophen zugrunde, idealsprachenrelative bzw. gebrauchssprachenabhängige Sinnkritierien für die Bewertung philosophischer Fragen herauszuarbeiten. Rorty teilt in seiner Introduction diese Ansicht zunächst ein Stück weit und zwar insofern sie sich zu der These radikalisieren läßt, daß die Funktion des linguistic turn mit Blick auf die klassischen Probleme der Philosophie als „merely critical“ und „essentially dialectial“11 aufgefaßt wird. Doch weder bei den Vertretern der Ideal Language Philosophy noch bei den Vertretern der Ordinary Language Philosophy ist eine solche Radikalisierung konsensuell. Vielmehr gibt es auf beiden Seiten eine Vielzahl von Autoren, die an der konstruktiven Leistungskraft des linguistic turn festhalten und mit sprachphilosophischen Mitteln an der Lösung der Probleme der „Great Tradition“12 arbeiten.

Die zweite Ambivalenz des linguistic turn besteht in dem Dissens, der zwischen konstruktiv-problemlösenden und destruktiv-problemauflösenden Auffassungen der linguistischen Methode existiert. Bei der in diesem Dissens zum Ausdruck kommenden Ambivalenz, welche die beiden Schulen des linguistic turn gleichermaßen durchzieht, handelt es sich im Verhältnis zur tieferreichenden, dritten Ambivalenz um eine Oberflächenambivalenz. Setzt doch die Ambivalenz, die zwischen der Verpflichtung der linguistischen Philosophie auf „the positivistic effort to dissolve philosophical problems“13 und dem gegenläufigen Bestreben besteht, die linguistische Philosophie mit den philosophischen Grundfragen der Tradition auf konstruktive Weise zu vereinigen, einen metaphilosophischen Basiskonsens voraus. Dieser besteht in dem sowohl für die konstruktiven als auch für die destruktiven Auffassungen der linguistischen Methode selbstverständlichen Vorverständnis bezüglich der Wesensbestimmung der Philosophie als einer autonomen wissenschaftlichen Disziplin, die durch verbindliche Bewertungskriterien und einheitliche Methoden charakterisiert ist. Aus der Problematisierung dieses Vorverständnisses, das der zweiten Ambivalenz des linguistic turn unhinterfragt zugrunde liegt, ergibt sich die dritte und entscheidende Ambivalenz, auf die ich nun zu sprechen komme.

Im Unterschied zu den beiden anderen Ambivalenzen weist die dritte Ambivalenz des linguistic turn zugleich ein Stück weit über die von Rorty in der Introduction von 1967 bezogene Position hinaus. Der Ansatzpunkt dieser Ambivalenz ist die Fixierung auf die Frage nach Kriterien zur Bewertung bzw. Methoden zur Beantwortung der traditionellen Probleme der Philosophie. In dieser Fixierung, die im Rahmen der ersten und zweiten Ambivalenz des linguistic turn unproblematisiert geblieben war, kommt – wie sich vorgreifend aus der Perspektive des Schlußkapitels von Rortys Der Spiegel der Natur (1979) sagen läßt – der Sachverhalt zum Ausdruck, daß es sich bei den bisher beschriebenen Ausgestaltungen des linguistic turn um „normale Diskurse“14 handelt. Unter „normaler Wissenschaft“15 versteht Rorty mit Thomas S. Kuhn „die Praktik, Probleme auf dem Hintergrund eines Konsenses darüber zu lösen, was als gute Erklärung des Phänomens gelten würde und was zur Lösung eines Problems zu unternehmen wäre.“16 Verallgemeinernd erläutert Rorty: „(...) normaler Diskurs ist genau das, was sich in einem allgemein anerkannten System von Konventionen abspielt, die festlegen, was als ein relevanter Beitrag gilt, als Beantwortung einer Frage, als gute Kritik dieser Antwort oder als gutes Argument für sie.“17

Sowohl der konstruktiv-problemlösende als auch der destruktiv-problemauflösende Umgang mit den theoretizistischen Grundproblemen der Philosophie bleibt – so das Argument, aus dem sich die dritte Ambivalenz ergibt - fixiert auf einen vorausgesetzten, die Disziplin charakterisierenden Konsens über einen Kanon von vorgegebenen Fragen ‚der‘ Philosophie sowie einheitlicher Bewertungskritierien dessen, was als Antwort auf diese Fragen zu gelten hat. Im konstruktiven Fall dient die linguistische Analyse dazu, sprachphilosophische Lösungsvorschläge für die erkenntnistheoretischen Lehrbuchprobleme der Philosophie zu erarbeiten. Im destruktiven Fall ist es das Ziel der Sprachkritik, die linguistische Unangemessenheit erkenntnistheoretischer Fragestellungen methodisch bloßzustellen. In beiden Fällen geht es (aus einer theoretizistisch signierten Meta-Perspektive) um die Erarbeitung von sprachimmanenten Kriterien, mit deren Hilfe über Sinn oder Unsinn, Beantwortbarkeit oder Nicht-Beantwortbarkeit der von der Tradition überlieferten philosophischen Probleme entschieden werden soll. Das gilt sowohl im Hinblick auf die Ideal Language Philosophy als auch im Hinblick auf die Ordinary Language Philosophy.

Ausführlich hat Rorty den theoretizistischen Restdogmatismus der beiden in der Introduction zu The Linguistic Turn beschriebenen Versuche, „the original Ayer-Carnap thesis that philosophical questions are questions of language“18 ohne Rekurs auf eine vermeintlich philosophisch neutrale Logik zu reformulieren, im Spiegel der Natur herausgearbeitet. Den blinden Fleck, der den beiden Schulen des linguistic turn gemeinsam ist und in der Introduction von 1967 aus metaphilosophischer Perspektive in den Blick kam, beschreibt Rorty im Spiegel der Natur im Rekurs auf deren inhaltlichen Basisdualismus: „Die Unterscheidung von Notwendigkeit und Kontingenz – von Russell und dem Wiener Kreis als die Unterscheidung von ‚Wahrheit kraft Bedeutung‘ und ‚Wahrheit kraft Erfahrung‘ wiederbelebt – war normalerweise nicht in Frage gestellt worden und bildete den gemeinsamen Nenner zweier philosophischer Richtungen, der Analyse der ‚Umgangssprache‘ und der Analyse der ‚idealen Sprachen‘.“19

Tatsächlich hielten sowohl die Vertreter der Ideal Language Philosophy als auch die Vertreter der Ordinary Language Philosophy an der bis auf Platon zurückgehenden wahrheitstheoretischen Vorstellung fest, „that true sentences divide into an upper and a lower division - the sentences which correspond to something and those which are ‚true‘ only by courtesy or convention.“20 Im Unterschied zu Platon, für den die Notwendigkeit der Wahrheit sich aus einem Referenzpunkt ergab, der außerhalb raumzeitlicher Bestimmungen in der Welt des wahrhaft Seienden, d.h. in der Welt der Ideen lag, bestimmten die Vertreter des logischen Empirismus die Notwendigkeit der Wahrheit im Rekurs auf logische Konventionen.  Sätze, die aufgrund von logischen Konventionen Wahrheit beanspruchen, galten Russell, dem frühen Carnap, Ayer und anderen frühen Vertretern des logischen Empirismus (bzw. Atomismus) als Sätze, deren Wahrheit sich kraft Bedeutung ergibt und daher analytisch und notwendig ist. Sätze solcher Art haben aus dieser Sicht als der eigentliche Gegenstand der Philosophie zu gelten, die aus diesem Grund als logische Bedeutungsanalyse zu erfolgen hat. Empirische Sätze, die sich direkt oder indirekt auf sinnlich unmittelbar gegebene Daten beziehen, galten den logischen Empiristen demgegenüber als Sätze, deren Wahrheit sich kraft Erfahrung ergibt und daher synthetisch und kontingent ist. Sätze dieser Art sind ihrer Ansicht zufolge nicht von Philosophen zu formulieren, sondern einzig und allein von den mit Tatsachenaussagen befaßten Wissenschaften.21

Die Vertreter der Ideal und Ordinary Language Philosophy reformulierten diese Unterscheidung zwischen notwendiger und kontingenter Wahrheit unter den Bedingungen einer sich explizit als linguistisch verstehenden Philosophie. Analytische Wahrheit kraft Bedeutung erschien unter diesen Prämissen als ausgezeichneter Gegenstand einer genuin philosophischen Bedeutungstheorie, während synthetische Wahrheit kraft Erfahrung als Thema empirischer Analysen den Einzelwissenschaften zugeordnet wurde. Das Ziel einer zu entwickelnden formalen Semantik bestand dabei für die Vertreter der Ideal Language Philosophy darin, eine Sprache zu konstruieren, welche die Mechanismen der Konstitution von Bedeutung logisch transparent macht. Die Vertreter der Ordinary Language Philosophy versuchten demgegenüber, eine Systematisierung von grundlegenden Gebrauchsformen der Alltagssprache zu entwickeln, durch die ihrerseits ein sprachimmanenter Rahmen der Bedeutungserzeugung abgesteckt werden sollte. Dabei griffen die meisten Projekte der Ordinary Language Philosophy – im Unterschied zu den vorrangig syntaktisch oder formalsemantisch orientierten Projekten der Ideal Language Philosophy – auf Überlegungen zur Entwicklung einer formalen Pragmatik bzw. einer (quasi-)transzendentalen Universalpragmatik zurück22, deren Aufgabe es sein sollte, die Bedingungen der Möglichkeit unseres Gebrauchs von Sprache (und damit der Konstitution von Bedeutung) im Sinne eines Sets von notwendigen Gebrauchsmodi freizulegen, von denen angenommen wurde, daß sie die wesentliche Grundstruktur von Sprache überhaupt ausmachen.23

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, daß die Unterscheidung zwischen notwendigen und kontingenten Sätzen in beiden Schulen des linguistic turn dazu diente, die Philosophie gegenüber den Einzelwissenschaften als autonome Disziplin abzugrenzen, die durch einen ausgezeichneten Gegenstandsbereich charakterisiert ist. Dieser Bereich sollte aus den notwendigen Sprachstrukturen bestehen, die als (syntaktisch, formalsemantisch und/oder formalpragmatisch zu untersuchende) Bedingungen der Möglichkeit der Konstitution von Sinn der Untersuchung aller kontingenten Sachverhalte in den Einzelwissenschaften zugrundezuliegen hätten. Die von Rorty vorangetriebene Problematisierung der theoretizistischen Unterscheidung zwischen der Philosophie als Disziplin, die es mit notwendigen Sätzen, und den Einzelwissenschaften als Disziplinen, die es mit kontingenten Sätzen zu tun haben, steht in der Tradition der (von Rorty sogenannten) „Wittgenstein-Sellars-Quine-Davidson attack on distinctions between classes of sentences“24. Dabei handelt es sich um eine Denkbewegung, die sich bereits seit Ende der vierziger Jahre unseres Jahrhunderts innerhalb des linguistic turn gegen diejenigen Dogmen zu richten begann, die sich bis in die Ideal und Ordinary Language Philosophy hinein erhalten hatten.

Bevor ich zur Darstellung dieser kritischen Denkbewegung übergehe, möchte ich als Zwischenresümee die drei rekonstruierten Ambivalenzen des linguistic turn systematisch zueinander ins Verhältnis setzen. Die erste Ambivalenz des linguistic turn bezieht sich auf den Statusder linguistischen Methode. Während die logischen Empiristen (Russell, Carnap I, Ayer I) an der philosophisch neutralen Geltung der logischen Syntax als Kernstück von Sprache überhaupt festhalten, relativieren die Vertreter der Ideal und Ordinary Language Philosophy den Geltungsanspruch der linguistischen Methode auf idealsprachenrelative bzw. gebrauchssprachenabhängige Sinnkriterien. Die zweite Ambivalenz bezieht sich auf die Zielbestimmung der linguistischen Methode und durchzieht die beiden Schulen der Ideal und der Ordinary Language Philosophy. Von unterschiedlichen Vertretern beider Schulen wird das Ziel der linguistischen Reformulierung philosophischer Probleme einerseits in einer konstruktiven Problemlösung, andererseits in einer therapeutischen Problemauflösung gesehen. Die dritte Ambivalenz schließlich bezieht sich auf die metaphilosophischen Voraussetzungen, die der Suche nach einer linguistischen Methode und damit dem theoretizistischen Methodenbewußtsein von Ideal und Ordinary Language Philosophy insgesamt zugrunde liegen. Während beide Schulen daran festhalten, daß die linguistische Methode ein verbindliches Instrumentarium zur Analyse philosophischer Probleme an die Hand gibt, haben sich im Umfeld des linguistic turn zugleich kritische Positionen entwickelt, die genau diese Voraussetzung und die mit ihr verbundenen theoretizistischen Dogmen der linguistischen Philosophie Schritt für Schritt in Frage stellen. Auf diese Positionen, die von Rorty in der Introduction von 1967 noch nicht systematisch thematisiert worden sind, aber in seinen späteren Arbeiten unter dem bereits erwähnten Titel der „Wittgenstein-Sellars-Quine-Davidson attack“25 in den Vordergrund treten, ist nun einzugehen.

2) Die pragmatische Wende des linguistic turn

Die dritte Ambivalenz des linguistic turn, in deren Zentrum die metaphilosophische Frage nach dem theoretizistischen Selbstverständnis einer sich gegenüber den Wissenschaften als autonomes Fach abgrenzenden akademischen Philosophie steht, beschreibt Rorty im Rekurs auf die von Wittgenstein, Sellars, Quine und Davidson eröffnete kritische Tradition im Spiegel der Natur (1979) und in Consequences of Pragmatism (1982) als „immanente Dialektik der analytischen Philosophie“26. In der Introduction zu Consequences of Pragmatism stellt er die gegenwärtig immer deutlicher spürbar werdenden Spätfolgen des linguistic turn wie folgt heraus: „I think that analytic philosophy culminates in Quine, the later Wittgenstein, Sellars, and Davidson – which is to say that it transcends and cancels itself. These thinkers successfully, and rightly, blur the positivist distinctions between the semantic and the pragmatic, the analytic and the synthetic, the linguistic and the empirical, theory and observation.“27

Vor dem Hintergrund der Attacke, die Wittgenstein, Sellars, Quine und Davidson gegen den theoretizistischen Restdogmatismus der linguistischen Philosophie geführt haben, schlägt Rorty vor, „that what Gustav Bergmann called ‚the linguistic turn‘ should not be seen as the logical postivists saw it – as enabling us to ask Kantian questions without having to trespass on the psychologists‘ turf by talking, with Kant, about ‚experience‘ or ‚consciousness‘.“28 Und Rorty fährt im gleichen Zusammenhang fort: „That was, indeed, the initial motive for the ‚turn‘, but (thanks to the holism and pragmatism of the authors I have cited) analytic philosophy of language was able to transcend this Kantian motive and adopt a naturalistic, behavioristic attitude toward language.“29 Durch die von Wittgenstein, Sellars, Quine und Davidson eröffnete naturalistische und behaviouristische Perspektive auf die Sprache bekommt die Dialektik, welche die analytische Philosophie und den ihr zugrundeliegenden linguistic turn durchzieht, eine positive Wendung. Die entscheidende Pointe dieser Wendung sieht Rorty in der mit ihr verbundenen „pragmaticization of analytic philosophy“.30

Zur Vermeidung terminologischer Unklarheiten ist es in diesem Zusammenhang wichtig, Rortys affirmativen Gebrauch der Begriffe pragmatism, pragmaticization, pragmatic etc. von Verwendungsweisen dieser Termini abzuheben, die sich mit der oben beschriebenen Konzeption einer formalen Pragmatik bzw. einer (quasi-)transzendentalen Universalpragmatik im Rahmen der Ordinary Language Philosophy verbinden.31 Der von Rorty in Der Spiegel der Natur und in Consequences of Pragmatism vertretene Pragmatismus zielt darauf ab, die linguistische Unterscheidung von ‚semantisch‘ und ‚pragmatisch‘ zu unterlaufen, insofern sie die von Wittgenstein, Sellars, Quine und Davidson problematisierte Unterscheidung von ‚notwendig‘ und ‚kontingent‘ voraussetzt. An die Stelle dieser doppelten Unterscheidung rückt Rorty in den beiden genannten Werken einen Sprachgebrauch von ‚pragmatisch‘, der auf die Rückbindung sprachlicher Vollzüge in einen naturalistischen Kontext nichtsprachlicher Handlungspraxen zielt, die mit empirischen Mitteln zu untersuchen sind. Diese Verwendung von ‚pragmatisch’ im Sinn von ‚naturalistisch‘ bzw. ‚behavioristisch‘ wird im Spiegel der Natur explizit, wenn Rorty schreibt: „Der erkenntnistheoretische Behaviourismus (den man auch einfach ‚Pragmatismus‘ nennen könnte, wäre dieser Ausdruck nicht etwas überladen)  (...) ist die These, die Philosophie werde über Erkenntnis und Wahrheit nicht mehr zu sagen haben als der Common Sense (ergänzt durch Biologie, Geschichtswissenschaft, etc.).“32

Rortys Lesart der von Wittgenstein, Sellars, Quine und Davidson initiierten „pragmaticization of analytic philosophy“33 ist häufig fälschlicherweise so verstanden worden als bliebe der Philosophie im Zeichen ihrer pragmatistischen Naturalisierung nichts anderes übrig als ihre Selbstauflösung. In den Schlußpassagen von Der Spiegel der Natur hebt Rorty jedoch in aller Deutlichkeit hervor: „Es besteht keine Gefahr, daß die Philosophie ‚an ihr Ende kommen wird‘.“34 Was aus Rortys Sicht im Zeichen der Pragmatisierungsbewegung an sein Ende kommen kann und soll, ist das regressive Beharren der Fachphilosophie auf der theoretizistisch signierten disziplinären Matrix der „traditionellen Probleme der modernen Philosophie“.35 Dieses Beharren wird Rorty zufolge im Zuge der „Wittgenstein-Sellars-Quine-Davidson attack“36 durch ein transformatives Selbstverständnis philosophischen Denkens durchbrochen, durch das es der Philosophie möglich wird, in enger Kooperation mit den Einzelwissenschaften und den Künsten an der Entwicklung eines pragmatistischen Vokabulars zu arbeiten. Dieses neue Vokabular der Philosophie versucht nicht länger die Grundlagen der empirischen Einzelwissenschaften, Künste und Techniken zu analysieren bzw. zu begründen. Es handelt sich bei ihm vielmehr um einen „new way of describing knowledge and inquiry“37, der den Schwerpunkt (aus der Außenperspektive) auf kausale Wirkungszusammenhänge und (aus der Innenperspektive) auf normativ rückgebundene Nützlichkeitsaspekte von Erkenntnisvollzügen legt, die mit kulturwissenschaftlichen Mitteln beschrieben werden können.

Mit diesem „new way of describing knowledge and inquiry“38 kommt ein zweiter Aspekt von Rortys Verwendungsweise des Begriffs ‚pragmatisch‘ ins Spiel. Diese Verwendungsweise verbindet ‚pragmatisch‘ mit ‚transformativ‘ im Sinn von ‚nichtnormal‘, ‚innovativ‘‚ und ‚verändernd‘. Sie ist eng verbunden mit der für die dritte Ambivalenz des linguistic turn zentralen Gegenüberstellung zwischen normalen und nichtnormalen Diskursen. Das von Rorty empfohlene pragmatistische Vokabular der Philosophie zielt nicht regressiv darauf, mit neuen Mitteln die alten philosophischen Probleme zu lösen bzw. aufzulösen. Vielmehr ist Rortys ‚new way‘ dadurch gekennzeichent, daß unter der Beschreibung eines konsequent pragmatistischen Vokabulars die theoretizistischen Lehrbuchprobleme der Philosophie in den Hintergrund und neue Fragen und Probleme an ihre Stelle treten.

Die pragmatische Wende des linguistic turn läßt sich auf drei unterschiedliche Weisen als transformativ (bzw. nichtnormal) verstehen. Sie läßt sich erstens als transformativ im schwachen Sinn eines Übergangs verstehen, der sich innerhalb der kontinuierlichen Tradition philosophischer Forschung von einer alten zu einer neuen disziplinären Fachmatrix vollzieht. Sie kann zweitens als transformativ im starken Sinn eines typologischen Wandels aufgefaßt werden, der die Tätigkeit des philosophischen Forschens selbst in ihren Grundbestimmungen betrifft. Und sie läßt sich drittens als transformativ im stärksten Sinn verstehen, der besagt, daß die philosophische Tätigkeit als Tätigkeit im Vollzug ihrer Pragmatisierung eine Neudefinition erfährt, die Transformativität selbst zur Bestimmung philosophischen Tuns macht. Philosophie wird dann nicht länger als methodische (entweder empirisch oder nicht-empirisch verfahrende) Analyse vorhandener Sachverhalte bzw. vorliegender Sprachstrukturen aufgefaßt, sondern als transformative Tätigkeit begriffen und vollzogen, die experimentell an Veränderungen des Common Sense arbeitet, um auf diesem Weg konkrete Erkenntnispraxen und faktische Wissenformen auf Zukunft hin neu zu gestalten.

Der pragmatistische ‚new way‘ der Philosophie wird von Rorty im Spiegel der Natur und in Consequences of Pragmatism (anders als in der Introduction zu The Linguistic Turn) bezüglich seiner Genealogie so rekonstruiert, daß entscheidende Ansätze zur Entwicklung eines pragmatistischen Vokabulars aus der immanenten Dialektik des linguistic turn selbst hervorgehen. Diese Sicht der Dinge tritt besonders pointiert in Rortys programmatischem Aufsatz Epistemological Behaviorism and the De-Transcendentalization of Analytic Philosophy (1985) hervor, der drei Jahre nach der Publikation von Consequences of Pragmatism erschienen ist. In diesem Aufsatz unterscheidet Rorty innerhalb der „Wittgenstein-Sellars-Quine-Davidson attack“39 drei Sorten von Autoren.

Die erste Gruppe von Autoren bewegt sich (im Rahmen der im Rekurs auf die Introduction von 1967 rekonstruierten Ambivalenzenfolie) innerhalb der zweiten Ambivalenz des linguistic turn. Autoren dieses Typs sind Sellars und Quine. Sie bereiten die „pragmaticization of analytic philosophy“40 negativ durch therapeutische Detranszendentalisierungsmaßnahmen vor. Wittgenstein erscheint demgegenüber als ein Mischtypus. Sein Denken bewegt sich zwar einerseits noch sehr stark innerhalb der zweiten Ambivalenz des linguistic turn. Andererseits aber finden sich bei ihm bereits Übergänge auf das Problemniveau der dritten Ambivalenz. Der dritte der von Rorty unterschiedenen Autorentypen wird von Donald Davidson repräsentiert. Bei ihm vollzieht sich der Übergang vom Problemniveau der zweiten auf das der dritten Ambivalenz in radikalerer Weise als bei Wittgenstein. Aus Rortys Sicht ist es daher Davidson, der innerhalb der „Wittgenstein-Sellars-Quine-Davidson attack“41 den zentralen Beitrag zur pragmatischen Wende des linguistic turn geleistet hat. Daß auf der Basis der von Rorty herausgestellten Gemeinsamkeiten gleichwohl Restdifferenzen zwischen Davidson und Rorty verbleiben, wird noch zu zeigen sein. Bevor ich aber auf Davidson und die dritte Ambivalenz des linguistic turn näher eingehe, möchte ich vor Augen führen, daß und wie das Denken von Wittgenstein, Sellars und Quine - trägt man es in die rekonstruierte Folie der drei Ambivalenzen des linguistic turn ein - durch die zweite Ambivalenz des linguistic turn bestimmt ist.

a) Wittgenstein, Quine und Sellars

Die zweite Ambivalenz des linguistic turn ergibt sich aus dem Spannungsverhältnis, das zwischen einem konstruktiv-problemlösenden und einem therapeutisch-problemauflösenden Umgang mit den überlieferten Grundproblemen der modernen Philosophie besteht. Für Wittgenstein ist ein solches Spannungsverhältnis in doppelter Hinsicht zu diagnostizieren. Erstens fällt sein Denken in zwei philosophische Positionen auseinander: die logizistische Position, die der frühe Wittgenstein im Tractatus (1921) vertrat, und die gebrauchstheoretische Sicht, die der späte Wittgenstein in den Philosophischen Untersuchungen (posthum 1953) entwickelt hat.42 Der im Vorwort zum Tractatus formulierte konstruktive Anspruch von Wittgensteins frühem Hauptwerk besteht darin, „die Probleme [der Philosophie – M.S.] im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben.“43 Demgegenüber ist der therapeutische Ansatz der Philosophischen Untersuchungen nicht auf die Lösung, sondern vielmehr auf die Auflösung der theoretizistischen Lehrbuchprobleme der modernen Philosophie gerichtet. Zweitens ist die Perspektive der Philosophischen Untersuchungen in sich selbst ambivalent. Einerseits ironisiert Wittgenstein (als therapeutischer Philosoph) das von ihm im Tractatus vertretene Programm einer auf die Logik gegründeten Sprachphilosophie und billigt der Philosophie einzig noch die negative Aufgabe der Entlarvung falscher Reinheitsansprüche zu. Andererseits greift er selbst (als im schwachen Sinn transformativer Philosoph) an verschiedenen Stellen erneut auf die von ihm zunächst lächerlich gemachte Idee der Unterscheidung zwischen dem Empirischen und dem Grammatischen bzw. zwischen nichtphilosophischer und philosophischer Untersuchung zurück, um auf deren Grundlage eine „Theorie von der Philosophie als Übersicht“44 zu entwickeln.

Auch das Denken von Sellars und Quine ist über weite Strecken von der zweiten Ambivalenz des linguistic turn bestimmt. Aber anders als bei Wittgenstein, der zugleich (als im starken Sinn transformativer Philosoph) wichtige Grundlagen für ein pragmatistisches Vokabular der Philosophie gelegt hat45, verhält es sich bei Sellars und Quine so, daß ihre Leistungen dort, wo sie für die Ermöglichung der pragmatischen Wende des linguistic turn wegweisend wurden, in erster Linie als destruktiv bzw. therapeutisch zu beschreiben sind. In diesem Sinn stellt Rorty fest: „Neither Quine nor Sellars (...) has developed a new conception of philosophy in any detail.“46 Die philosophiehistorisch bedeutsamen Leistungen der beiden Autoren bestehen statt dessen vielmehr in der Problematisierung bzw. gezielten Destruktion von grundlegenden Dogmen bzw. Basisunterscheidungen, die von Kant bis zu den Hauptvertretern der beiden Schulen des linguistic turn unhinterfragt als Fundamente für die theoretizistische Aufgabenbestimmung der modernen Fachphilosophie (als einer gegenüber den Wissenschaften autonomen Disziplin) dienten.

Sellars hat die Unterscheidung zwischen dem empirisch Gegebenen und dem begrifflich Gedachten therapeutisch in Frage gestellt. Quine hat die Unterscheidung zwischen dem Synthetisch-Kontingenten und dem Analytisch-Notwendigen sowie die damit verbundene Trennung zwischen Wissenschaft und Philosophie destruiert. Die spezifische Ambivalenz der Positionen von Sellars und Quine kommt in dem Sachverhalt zum Ausdruck, daß der eine jeweils die vom anderen problematisierten Unterscheidungen nicht als problematisch erkannt und für sein eigenes, konstruktives Programm mehr oder weniger unhinterfragt vorausgesetzt hat: „It is as if Quine, having renounced the conceptual-empirical, analytic-synthetic, and language-fact distinctions, is still not quite able to renounce that between the given and the postulated. Conversely, Sellars, having triumphed over the latter, could not quite renounce the former cluster.“47

Sowohl mit Blick auf Sellars als auch mit Blick auf Quine ist hinzuzufügen, daß die konstruktiven Elemente ihres naturalistisch operierenden Denkens zugleich auch transformative Züge erkennen lassen. Dabei handelt es sich jedoch um transformative Züge nur in dem oben explizierten schwachen Sinn. Denn beide Denker konzipieren ihren Übergang zum naturalistischen Diskurs als einen Wechsel der disziplinären Matrix der Fachphilosophie, der sich innerhalb einer als kontinuierlich vorausgesetzten Typenbestimmung der philosophischen Tätigkeit vollzieht. So stellt Sellars zwar kritisch heraus, „daß die atomistische Konzeption der Philosophie eine Falle und eine Täuschung war“48 und die hierarchische und separatistische Strukturierung der disziplinären Fachmatrix zu problematisieren sei. Zugleich aber hält er an der dogmatischen Arbeitsteilung zwischen den empirischen Wissenschaften, die sich mit synthetisch-kontingenten Wahrheiten befassen, und der nichtempirischen Philosophie, der es um analytisch-notwendige Wahrheiten gehen soll, fest, wenn er wie selbstverständlich davon ausgeht, „daß Philosophie keine Wissenschaft ist.“49

Die transformativen Aspekte von Sellars‘ Philosophieverständnis kommen in seiner Kritik an der atomistischen Auffassung des Philosophie und Wissenschaft umgreifenden akademischen Diskurses zum Ausdruck. Dieser Auffassung zufolge wird der „Diskurs als eine Karte betrachtet (...), die sich in zwei aneinanderliegende Teilkarten unterteilt, deren jede ein Teilgebiet zweier aneinandergrenzender Gebiete darstellt, die zusammen genommen den gesamten Inhalt des Diskurses ausmachen.“50 Die nichtempirische Disziplin der Philosophie liefert dieser Auffassung zufolge die begrifflichen Definitionen und logischen Analysen, während die Einzelwissenschaften auf der Grundlage der von der Philosophie geklärten Terminologie an empirischen Fragen arbeiten. Die sich abzeichnende neue Konfiguration der analytischen Arbeit der Philosophie beschreibt Sellars demgegenüber wie folgt: „‘Analyse‘ steht (...) nicht länger für die Definition von Termini. Vielmehr steht ‚Analyse‘ für die Erforschung der logischen Struktur – im weitesten Sinne – des Diskurses, und der Diskurs hat aufgehört, eine Fläche zu sein, die parallel zu einer anderen verläuft. Er hat sich in ein Gewirr sich kreuzender Dimensionen verwandelt, deren wechselseitige Beziehungen und deren Beziehungen zu außersprachlichen Tatsachen keinem singulären oder einfachen Muster gehorchen.“51

Damit tritt eine neue Struktur der disziplinären Matrix der Philosophie in den Blick, die nicht länger hierarchisch auf eine diensthabende Fundamentaldisziplin hin zentriert ist, sondern statt dessen netzwerkartig operiert. In diesem Sinn hebt Sellars hervor: „Der Philosoph, der ein Interesse an der Wahrnehmungsthematik hat, kann nicht mehr länger sagen: ‚Soll nur, wer sich für den präskriptiven Diskurs interessiert, dessen Begriffe analysieren. Mich soll er aber damit in Ruhe lassen.‘ Die meisten, wenn nicht sogar alle philosophisch interessanten Begriffe operieren auf mehr als nur einer Diskursebene.“52 Vor diesem Hintergrund ändert sich für Sellars auch das Verhältnis von Philosophie und Wissenschaft. Wenn die Philosophie nicht nur für die atomistische Analyse und Definition einzelner wissenschaftlicher Termini zuständig ist, sondern auf die holistische Analyse der Grundstruktur sowie des inneren Beziehungszusammenhangs von alltäglichem, wissenschaftlichem und philosophischem Diskurs insgesamt abzielt, d.h. als ein „Diskurs-über-den-Menschen-in–allen-Diskursen“53 zu verstehen ist, dann wird „die Kenntnis der Entwicklungstendenzen des wissenschaftlichen Denkens [für die philosophische Tätigkeit – M.S.] unverzichtbar, um die strukturbildenden Kategorien des alltäglichen Weltbildes zu würdigen.“54

Zugleich aber steht für Sellars fest, daß eine holistische Philosophie, die auf „eine strukturierte und ganzheitliche Sicht des Menschen im Universum“55 zielt, strukturell von den Wissenschaften geschieden bleibt, insofern sie diese auf spezifisch philosophische Art und Weise zu ihrem Gegenstand macht. Die philosophische Tätigkeit als solche bleibt für Sellars – im Unterschied zu Quine, Davidson und Rorty – methodisch streng von der empirischen Forschungspraxis der Wissenschaft getrennt. Das wird deutlich, wenn man die oben zitierte Stelle in ihrem Kontext sieht. Sie lautet dann: „Die Methoden philosophischer Analyse machen vielleicht keinen Gebrauch von den Methoden oder Ergebnissen der Wissenschaften. Aber die Kenntnis der Entwicklungstendenzen des wissenschaftlichen Denkens ist unverzichtbar, um die strukturbildenden Kategorien des alltäglichen Weltbildes zu würdigen.“56 Und im gleichen Zusammenhang stellt Sellars klar:  „Ich behaupte nicht, daß man von den Ergebnissen und den Methoden der Wissenschaften Gebrauch machen muß, um hinter die Logik – die vielschichtige Logik – der Alltagssprache zu kommen.“57

Anders Quine. In Wort und Gegenstand bemerkt er schlicht: „Die Philosophie (...) ist, was wesentliche Merkmale ihres Zwecks und ihrer Methode anlangt, in ihrem Streben nach größerer Klarheit von guter und schlechter Wissenschaft nicht zu unterscheiden.“58 Für Quine bilden Common Sense, Wissenschaft und Philosophie ein nur graduell, aber nicht prinzipiell in sich geschiedenes Ganzes, das er bereits in seinem frühen Aufsatz Zwei Dogmen des Empirismus als „Gesamtsystem“59 beschrieb, bei dem es sich um „ein von Menschen geflochtenes Netz [handelt], daß nur an seinen Rändern mit der Erfahrung in Berührung steht.“60 Während Quines Restdogmatismus einer empirischen Rückgebundenheit unseres „web of belief“61 an eine ihrerseits holistisch zu denkende Dimension unmittelbarer Erfahrung von Sellars (und später insbesondere von Davidson und Rorty) problematisiert worden ist, weist Quines naturalistische Beschreibung der inneren Verfassung des Netzwerks menschlicher Überzeugungen über Sellars‘ Festhalten an einer tiefenstrukturellen Geschiedenheit von philosophischem und wissenschaftlichem Diskurs hinaus.

So beschreibt Quine das von ihm in seinem Hauptwerk Wort und Gegenstand entwickelte Programm einer „naturalisierten Erkenntnistheorie“62 in seinem Aufsatz gleichen Titels als ein Unternehmen, das nicht nur zur „Verdrängung der Erkenntnistheorie aus ihrem alten Status der ersten Philosophie“63, sondern darüber hinaus auch dazu führt, „daß die Erkenntnistheorie mit der Psychologie und mit der Linguistik verschmilzt.“64 Diese gezielte „Grenzverwischung“65 zwischen Philosophie und Wissenschaft ergibt sich konsequent aus Quines Kritik an den dogmatischen Gegensatzpaaren von analytisch/synthetisch und notwendig/kontingent, mit deren Hilfe die theoretizistische Abgrenzung der modernen Fachphilosophie von den empirischen Wissenschaften sowohl im Rahmen des logischen Empirismus als auch von den beiden Schulen der linguistischen Philosophie fortgeschrieben worden war.

Zugleich aber ist es wichtig zu sehen, daß die von Quine verfochtene Auflösung der Grenzen zwischen Philosophie und Wissenschaft nicht auf eine Neubestimmung der philosophischen Tätigkeit als solcher zielt. Aus Quines Sicht verhält es sich so, daß sich die disziplinäre Matrix der Philosophie mit der disziplinären Matrix von empirischen Wissenschaften wie der Psychologie oder der Linguistik verflechten kann, ohne daß das ursprüngliche Anliegen der philosophischen Erkenntnistheorie dadurch in Gefahr gerät. Dieses Anliegen wird Quine zufolge durch die von ihm vorangetriebene Naturalisierungsbewegung nicht nur nicht verraten, sondern vielmehr von seinen traditionellen Aporien kuriert und dadurch auf fortschrittliche Weise erst eigentlich realisierbar gemacht.

Diese Selbsteinschätzung Quines wird besonders in seiner Abgrenzung vom späten Wittgenstein und der sich auf ihn berufenden therapeutischen Strömung in der linguistischen Philosophie deutlich. Quine schreibt: „Wittgenstein und seine Jünger, vor allem in Oxford, fanden eine philosophische Restbeschäftigung in der Therapie: nämlich Philosophie von der Verblendung zu kurieren, es gäbe erkenntnistheoretische Probleme. Aber ich meine, daß es an dieser Stelle wohl nützlicher ist, statt dessen zu sagen, daß die Erkenntnistheorie auch weiterhin fortbesteht, jedoch in einem neuen Rahmen und mit einem geklärten Status. Die Erkenntnistheorie oder etwas Ähnliches erhält ihren Platz innerhalb der Psychologie und somit innerhalb der empirischen Wissenschaften.“66 Zwar, so weiter Quine, „studiert sie [jetzt] ein empirisches Phänomen, nämlich ein physisches menschliches Subjekt.“67 Aber zugleich widmet sich die naturalisierte Erkenntnistheorie einer Thematik, „zu deren Untersuchung uns, grob genommen, die Gründe anspornen, die die Erkenntnistheorie immer motiviert haben: nämlich herauszufinden, in welcher Beziehung die Beobachtung zur Theorie steht und auf welche Weise jemandes Theorie über die Natur über alle Beobachtungen, die man je machen könnte, hinausgeht.“68

Das bei Quine und Sellars jeweils unterschiedlich gelagerte Festhalten an der Voraussetzung einer kontinuerlich sich fortschreibenden theoretizistischen Aufgabenbestimmung philosophischer Tätigkeit verweist auf den Sachverhalt zurück, daß sich ihr Denken im Rahmen der zweiten Ambivalenz des linguistic turn bewegt. Der behaviouristische Naturalismus, den Sellars und Quine als neues Paradigma philosophischer Forschung entwickeln, wird von ihnen einseitig auf die Grundfragen der modernen Fachtradition zurückbezogen, d.h. in den regressiven Horizont der Frage nach den problemlösenden bzw. problemauflösenden Potenzen der neuen (naturalistischen) Forschungsmatrix gestellt, für die sie sich auf unterschiedliche Weise stark machen: Sellars, indem er die disziplinäre Binnenverfassung der Philosophie neu strukturiert und dabei zugleich das Fach in seiner akademischen Identität nach außen absichert, und Quine, indem er die Fachgrenzen transdisziplinär in Bewegung bringt, dabei aber an der erkenntnistheoretischen Grundausrichtung philosophischer Tätigkeit festhält und die Wissenschaften in den Dienst dieser theoretizistischen Ausrichtung stellt.

Anders als bei Sellars und Quine ist die Situation in dieser Hinsicht im Denken von Donald Davidson. Davidson überwindet die zweite Ambivalenz des linguistic turn, indem er die Aufgabenbestimmung der Philosophie weder als problemlösend noch als problemauflösend begreift, sondern statt dessen von einem im starken Sinn transformativen, d.h. die philosophische Tätigkeit selbst neu definierenden Philosophieverständnis ausgeht. Das verbindet Davidson mit Rorty, der sich aber zugleich (über Davidson hinaus) für ein im stärksten Sinn transformatives Philosophieverständnis einsetzt, demzufolge die philosophische Tätigkeit in sich selbst als transformativ zu bestimmen ist.

b) Davidson und Rorty

In seinem einflußreichen Aufsatz Was ist eigentlich ein Begriffsschema? (1974) hat Davidson auf der Grundlage seiner Kritik am „Dualismus von Schema und Inhalt“69 den entscheidenden Anschlußpunkt entwickelt, der sich innerhalb des linguistic turn für Rortys Vorschläge zur Entwicklung eines konsequent pragmatistischen Vokabulars der Philosophie findet.70 Im Fokus von Davidsons Überlegungen steht seine Kritik an einem Verständnis von Philosophie, in dessen Zentrum die von ihm als ‚empiristisch‘ charakterisierte Frage nach dem schematisierenden Wirklichkeitsbezug menschlicher Sprache steht. Die Urszene dieser Fragestellung ergibt sich Davidson zufolge aus der einfachen Vorstellung „von [einem] ordnenden System und etwas, was darauf wartet, geordnet zu werden“.71 Diese Urszene, so weiter Davidson, liege als „das dritte Dogma (...) des Empirismus“72 weiten Teilen der Gegenwartsphilosophie zugrunde.

Im Rückblick auf die zu Beginn meiner Überlegungen zitierten Begriffsbestimmungen des linguistic turn, die sich bei Bergmann und Quine finden, wird deutlich, wie der methodische Anspruch einer linguistisch gewendeten Philosophie mit dem von Davidson problematisierten Schema-Inhalt-Dualismus zusammenhängt. In den beiden Definitionen des linguistic turn wird zwischen einem gegenstandsbezogenen „talk about the world“73 bzw. einer inhaltsbezogenen „Rede in bestimmten Begriffen“74 auf der einen Seite und einem reflexiven „talking about a suitable language“75 bzw. dem semantischen Aufstieg zur „Rede über diese Begriffe“76 auf der anderen Seite unterschieden. Die methodische Leitvorstellung des linguistic turn besteht dabei in der problematischen Annahme, daß die Reflexion auf die sprachliche Verfaßtheit unseres inhaltlichen Gegenstandsbezugs die Diskussion auf eine Ebene verlagert, „auf der die Parteien über die Gegenstände (nämlich Wörter) und die sie betreffenden Hauptbegriffe in stärkerem Maße übereinstimmen.“77

Problematisch ist diese leitende Annahme aus zwei Gründen. Zum einen, weil sie voraussetzt, daß wir einen klaren Schnitt zwischen Wort und Gegenstand, zwischen Sprache und Wirklichkeit, also zwischen Schema und Inhalt machen können. Zum anderen, weil sie unterstellt, daß dieser Schnitt uns einen methodisch ausgezeichneten Raum philosophischer Schema-Analysen eröffne, in dem wir „in stärkerem Maße übereinstimmen“78 als dies im Raum inhaltlicher (d.h. schema-verwendender) Bezugnahmen der Fall ist. Dieser Unterstellung steht das Faktum entgegen, daß der reflexive Rückgang auf unseren Sprachgebrauch die Probleme und Dissense unter Umständen zwar deutlicher zu Tage treten läßt, jedoch im Regelfall keineswegs zu mehr Übereinstimmung und Konsens führt. Dies ist deshalb der Fall, weil die Analyse des Sprachgebrauchs sich nicht als reine und neutrale Schema-Analyse durchführen läßt, sondern jeweils schon inmitten eines vorgegebenen Sprachgebrauchs ansetzen muß, so daß die inhaltliche Problematik auf der vermeintlichen Metaebene der Analyse in veränderter Gestalt (und häufig sogar in zugespitzter Form) wiederkehrt.

Dem linguistischen Dogma von der genuin philosophischen Leistung der reflexiven Schema-Analyse stellt Davidson den von ihm selbst vertretenen ‚kohärenztheoretischen‘ Holismus gegenüber: „Was eine Kohärenztheorie (...) auszeichnet, ist einfach die These, daß nichts als Grund für eine Meinung in Frage kommt, was nicht selbst eine Meinung ist. Ihre Anhänger bestreiten, daß das Bedürfnis oder die Frage nach einer andersartigen Quelle der Rechtfertigung überhaupt nachvollziehbar oder verständlich ist.“79 Damit wird sowohl der Rekurs auf ein sinnlich unmittelbar Gegebenes (den uninterpretierten Inhalt) als auch die Bezugnahme auf begriffliche Schemata (sprachliche Kategorien, logische Formen, formalpragmatische Universalien) ausgeschlossen.

Aus seiner Verabschiedung des Schema-Inhalt-Dualismus zieht Davidson die Konsequenz, sich auf die behaviouristische Perspektive des bereits von Quine in Wort und Gegenstand ins Spiel gebrachten linguistischen Feldforschers zu beschränken. Indem Davidson dies tut, nimmt er zugleich entscheidende Veränderungen an Quines Modellierung der Tätigkeit des Feldlinguisten vor. Bei Davidson treten die aus der ethnozentrischen Perspektive des Linguisten zu beschreibenen physischen Gegenstände, auf welche die als Testpersonen fungierenden Eingeborenen sprachlich konditioniert sind, an die Stelle der von Quine als neutrale Referenzpunkte reklamierten Nervenreizungen.80 Die von einem neutralen Bezugspunkt – den Nervenreizungen – ausgehende Frage nach dem sprachlichen Schematismus der Interpretation der gegebenen „Reizungen unserer Außenflächen“81 wird bei Davidson durch den hermeneutischen Naturalismus seiner Theorie der „radikale[n] Interpretation“82 ersetzt, in der es – wie Rorty pointiert formuliert – darum geht, den Feldlinguisten „immer wieder den hermeneutischen Zirkel durchlaufen [zu lassen – M.S.], bis er anfängt sich heimisch zu fühlen.“83

Davidsons radikale Interpretationstheorie zielt aus der Außenperspektive des Feldlinguisten auf die externen Ursachen, d.h. auf die kausalen Mechanismen und Konditionierungsvorgänge, die dazu führen, daß ein bestimmtes Zeichen in einer bestimmten Situation auf eine bestimmte Weise verwendet wird. Dabei ist sich Davidsons sprachwissenschaftlicher Ethnologe darüber im klaren, daß ihm bei der Beschreibung dieser Ursachen kein neutrales Verfahren zur Verfügung steht. Er kann nur versuchen, die Überzeugungen, die er den von ihm im Feld untersuchten Sprechern unterstellt, soweit wie möglich an diejenigen Überzeugungen anzupassen, die er selbst an die Situation heranträgt. Der linguistische Feldforscher ist sich dabei zugleich dessen bewußt, daß die radikale Interpretation daheim beginnt. Er weiß, daß es über die Beziehung, die zwischen seinen eigenen Überzeugungen und der Welt besteht, „nicht mehr zu wissen gibt als das, was wir durch die empirische Untersuchung der kausalen Transaktionen zwischen Organismen und ihrer Umwelt in Erfahrung bringen können.“84

Sowohl für das Vorgehen des Feldlinguisten in der Fremde als auch für das Erlernen der eigenen Muttersprache, das durch das Kind daheim erfolgt, ist nach Davidson die Situation der sogenannten „Triangulation“85 charakteristisch. Denn in beiden Fällen gilt: „Die Identifizierung von Gegenständen des Denkens beruht (...) auf einer sozialen Grundlage“86, d.h. geschieht in einer „Dreiecksanordnung, die aus (...) zwei Akteuren und einem gemeinsam beobachteten Gegenstand besteht.“87 Die ersten Grundlagen des Sprachunterrichtsgeschehens, in dessen Rahmen „eine Person von einer anderen lernt, wie man von gewöhnlichen Dingen spricht und an sie denkt“88, beschreibt Davidson folgendermaßen: „Der Schüler wird – sei es bewußt oder nicht bewußt - belohnt, sobald er in Situationen, die der Lehrer zusammenklassifiziert, mit Geräuschen oder anderen Äußerungen derart reagiert, daß es dem Lehrer angemessen erscheint. (...). Ein Erfolg wird auf der ersten Ebene insofern errungen, als der Schüler mit Geräuschen, die der Lehrer für ähnlich erachtet, auf Situationen reagiert, die der Lehrer für ähnlich erachtet. Der Lehrer reagiert dabei auf zweierlei: auf die äußere Situation sowie auf die Reaktionen des Schülers. Der Schüler reagiert ebenfalls auf zweierlei, nämlich auf die äußere Situation sowie auf die Reaktionen des Lehrers.“89 Zusammenfassend stellt Davidson heraus: „Diese Beziehungen sind samt und sonders kausaler Art. So wird das unerläßliche Dreieck gebildet, das die Kommunikation über gemeinsame Gegenstände und Ereignisse ermöglicht.“90 Die mit der sozialpragmatischen Triangulation verbundene Konzeption einer „externalisierte[n] Erkenntnistheorie“91 tritt somit bei Davidson an die Stelle der introspektiv-cartesianischen Perspektive der erkenntnistheoretischen Tradition, die sich (bis einschließlich Quine) mehr oder weniger „an der ersten Person orientiert“.92

Unter den Bedingungen eines linguistic turn, der im Bann des Schema-Inhalt-Dualismus verbleibt, wurde sprachliche Kompetenz (zum Teil noch bei Wittgenstein, insbesondere aber bei Sellars und Quine) als die introspektiv zu untersuchende Fähigkeit aufgefaßt, innerhalb eines differentiell strukturierten bzw. holistisch konzipierten Zeichenschemas Inhalte zu formen und dadurch etwas als etwas unterscheidbar und identifizierbar zu machen. Dieser Ansicht stellt Davidson die provozierende These gegenüber, „daß es so etwas wie eine Sprache gar nicht gibt“.93 Sie resultiert als Konsequenz aus der Verabschiedung der von Davidson als „das dritte Dogma (...) des Empirismus“94 herausgearbeiteten Basisprämisse der modernen Philosophietradition, die sich bis zu Kant zurückverfolgen läßt95 und den verschiedenen Lesarten des linguistic turn von Carnap und Bergmann bis Quine und Sellars zugrunde liegt. Davidson schlägt demgegenüber vor, „sprachliche Kompetenz als eine Art Know-how [zu] denken“96, d.h. als ein pragmatisches Instrumentarium, das es uns erlaubt, mit anderen Menschen und mit der nicht-menschlichen Umwelt zu interagieren. Es ist dieser Aspekt seiner Verwendungsweise von ‚pragmatisch‘ im Sinn von ‚naturalistisch‘ und ‚behavioristisch‘, den Rorty in seiner Davidson-Interpretation zunächst hervorhebt. Explizit wird dieser Akzent in Davidsons Vorschlag, daß wir „die Grenze (...) zwischen dem Können einer Sprache und dem Sichauskennen in der Welt insgesamt“97 beseitigen sollten.

Unter den Bedingungen eines derart pragmatisierten Sprachverständnisses vollzieht sich bei Davidson eine typologische Neubestimmung der philosophischen Tätigkeit, die ihn zu einem transformativen Philosophen im starken Sinn macht. Während Quine die empirische Arbeit des Feldlinguisten gezielt in den philosophischen Dienst einer vorgegebenen erkenntnistheoretischen Fragestellung nimmt, versteht Davidson die philosophische Tätigkeit als eine Tätigkeit, die ihre Zielbestimmung nicht schon von außerhalb hat, sondern inmitten der Arbeit des Feldlinguisten auf neue Weise erlangt. Die Philosophie kann aus Davidsons Sicht in den Forschungszusammenhang des Feldlinguisten zwar gewisse logische Instrumentarien einbringen, die aus der von Davidson auf natürliche Sprachen anwendbar gemachten Tarskischen Wahrheitstheorie hervorgehen. Dadurch wird jedoch – so die Überzeugung von Davidson - der Perspektive des Feldlinguisten keine zweite, möglicherweise genuin philosophische Perspektive hinzugefügt bzw. aufgepfropft. Im Gegenteil: Die typologische Transformation der philosophischen Tätigkeit, die Davidson auf der Grundlage der von ihm in den Vordergrund gerückten Situation der Triangulation fordert, besteht eben darin, daß die philosophische Perspektive in die kontingente Außenperspektive eines Feldlinguisten aufgelöst wird, der mit dem formalen Instrumentarium empirisch arbeitet und dabei die wissenschaftliche Tätigkeit selbst auf nichtreduktionistische Weise neu bestimmt.

Zwar stellt Davidson in einem neueren Aufsatz heraus: „I have often explained that radical interpretation does not attempt to provide useful hints to real linguists, or to criticize their methods.“98 Und er fügt erläuternd hinzu: „The point of the theory is not to describe how we actually interpret, but to speculate on what it is about thought and language that makes them interpretable.“99 Aber andererseits versucht er im gleichen Zusammenhang zu zeigen, daß sein interpretationistischer Ansatz den Raum für eine neue wissenschaftliche Praxis psychologisch-linguistischer Forschung eröffnet: „Since my own approach to the description, analysis (in a rough sense), and explanation of thought, language and action has, on the one hand, what I take to be some of the characteristics of a science, and has, on the other hand, come under attack (...) as being radically ‚unscientific‘, I plan to examine my theory, if that is the word, to see how or whether it can be defended as science.“100 Die Pointe von Davidsons Ausführungen ist dabei die, daß die Theorie der radikalen Interpretation, von der er auch als von einer „unified theory of speech and action“101 spricht, als Basis für eine nichtreduktionistisch operierende Wissenschaft der Rationalität zu verstehen ist, die es erst noch zu entwickeln gilt. Im Zentrum dieser Wissenschaft hätte Davidson zufolge „the art of applying the formal theory to an actual individual“102 zu stehen.

Davidson und Rorty teilen die Auffassung, daß die pragmatistische Naturalisierung von Sprachphilosophie und Erkenntnistheorie über Wittgenstein, Sellars und Quine hinaus zu radikalisieren ist. Gemeinsam ist ihnen auch die Diagnose und der affirmative Mitvollzug eines mit der Etablierung des pragmatistischen Vokabulars in der Philosophie verbundenden radikalen „Umbruch(s) im zeitgenössischen Denken“.103 Anders als bei Davidson jedoch führt die pragmatistische Naturalisierung bei Rorty zu einer im stärksten Sinn, d.h. in sich selbst transformativen Konzeption philosophischer Tätigkeit. Dieser Konzeption zufolge wird Philosophie zu einem epistemologischen Experiment, das auf die Ermöglichung zukünftiger Veränderungen im Common Sense ausgerichtet ist. Davidson versteht sich demgegenüber als Verfechter eines typologischen Wandels, der weniger radikal ist als der von Rorty vorgeschlagene. Sein hermeneutischer Naturalismus zielt auf die Etablierung einer philosophisch-linguistischen Praxis, die bei aller naturalistischen Rückbindung gleichwohl als genuin theoretisch im Sinn von deskriptiv-betrachtend zu bezeichnen ist. Denn aus Davidsons Sicht geht es in der wissenschaftlichen Forschungspraxis des philosophisch versierten Feldlinguisten nicht um die Veränderung der sprachlichen Wirklichkeit. Statt dessen zielt Davidsons Anliegen auf die empirisch fundierte und hermeneutisch relativierte, d.h. auf das kontingente Normensystem einer bestimmten Kultur zurückgebundene Beschreibung verschiedener konkreter Sprachen, die als pragmatische Interaktionswerkzeuge aufgefaßt werden.

Davidsons Pragmatismus läßt sich vor diesem Hintergrund als analytischer Antirepräsentationalismus, der auf die formallogische Rekonstruktion der je spezifischen Wahrheitstheorien unterschiedlicher natürlicher Sprachen zielt, ohne dabei introspektiv auf repräsentationale Tertia zu rekurrieren, von Rortys prononciert transformativem Pragmatismus abheben, der auf die analytischen Instrumentarien der symbolischen Logik verzichtet, weil es ihm nicht um die wissenschaftliche Analyse vorhandener Interaktionsformen, sondern um die politisch und sozial motivierte Gestaltung zukünftiger Handlungspraxen geht. Anders als Davidson, der die philosophische Tätigkeit von der Forschungspraxis des Sprachwissenschaftlers her neu konfiguriert, orientiert sich Rorty bei seiner Neubestimmung der philosophischen Tätigkeit nicht am Modell der Wissenschaft, sondern an Modellen, die er den unmittelbar auf Veränderung zielenden kulturellen Praxen von Literatur und Kunst entnimmt und auf die Wissenschaft überträgt.

Die damit verbundene soziopolitische Perspektivierung des von Rorty empfohlenen pragmatistischen Vokabulars der Philosophie ist im Spiegel der Natur und in Consequences of Pragmatism noch nicht enthalten. Sie wird von Rorty erst in den neueren Arbeiten entwickelt, die er in den neunziger Jahren ausgehend von seinem späten Hauptwerk Kontingenz, Ironie und Solidarität (1989) publiziert hat. Die strategische Grundidee dieser Arbeiten hat Rorty wie folgt beschrieben: „In short, my strategy (...) is to move everything over from epistemology and metaphysics to cultural politics, from claims to knowledge and appeals to self-evidence to suggestions about what we should try.“104Die humanistische Rückbindung philosophischer Tätigkeit, die in dieser Strategie zum Ausdruck kommt, steht im Zentrum von Rortys (im stärksten Sinn) transformativem Pragmatismus. Sie markiert die dritte und in der aktuellen Diskussion zunehmend in den Vordergrund tretende Verwendungsweise von ‚pragmatisch‘, die sich bei Rorty findet.

Die soziopolitische Signatur des antirepräsentationalistischen Pragmatismus, den Rorty als Modell für eine neue Typenbestimmung der philosophischen Tätigkeit vorschlägt, hat er in den drei Bänden seiner Philosophical Papers (1991-1998) weiter expliziert und in den beiden Büchern Achieving Our Country (1998) und Philosophy and Social Hope (1999) ein Stück weit in die philosophische Praxis umzusetzen versucht. Auf den Punkt gebracht, lautet der zentrale Gedanke, der den philosophischen Antirepräsentationalismus (wie er von Rorty im Anschluß an Davidson vertreten wird) mit dem politischen Pragmatismus (wie er in der ersten Jahrhunderhälfte insbesondere von John Dewey entwickelt worden ist) verbindet: „The pragmatists‘ anti-representationalist account of belief is (...) a protest against the idea that human beings must humble themselves before something non-human.“105 Positiv formuliert besagt das für Rorty: „I (...) think that a world of pragmatic atheists – people who thought realism versus antirealism as little worth thinking about as Catholicism versus Protestantism – would be a better, happier world than our present one.“106

Hier tritt die Politisierung deutlich hervor, die Davidsons Antirepräsentationalismus bei Rorty erfährt. Davidson selbst interessiert sich nicht für mögliche politische Implikationen des von ihm unter dem Titel des „Antisubjektivismus“107 vertretenen Antirepräsentationalismus. Aber er gibt eine naturalistische Beschreibung von Erkenntnis und Sprache, durch welche diese von der repräsentationalistischen Beziehung auf eine realistisch vorgegebene oder antirealistisch (als ‚Gegenstand überhaupt‘) konstruierte Autorität abgekoppelt werden. Was Rorty an dieser Beschreibung interessiert, ist nicht die selbst unter dem Bann des Repräsentationalismus stehende Frage, ob sie unserer faktischen Erkenntnis- und Sprachpraxis entspricht, sondern vielmehr die Frage, welchen Beitrag sie zum politischen Projekt der Aufklärung leisten könnte, wenn sie zur Signatur des Common Sense würde.

In dieser soziopolitischen Neuperspektivierung epistemologischer Fragestellungen kommt der von Rorty offensiv verfochtende Vorrang der Demokratie vor der Philosophie108 zum Ausdruck, der sein Denken zugleich von den begründungsphilosophischen Motiven abhebt, die den transzendental grundierten Pragmatismus von Habermas charakterisieren.109 Rorty zufolge dient Philosophie als (im stärksten Sinn) transformative Tätigkeit unter den als kontingent anzuerkennenden und insofern als normativer Handlungs- und Bewertungsrahmen vorauszusetzenden Bedingungen des soziopolitischen Großexperiments der modernen Aufklärung nicht dazu, die politische Regierungsform der Demokratie theoretisch zu begründen. Philosophisches Denken arbeitet vielmehr in einem transdisziplinären akademischen Umfeld aktiv daran mit, einen Beitrag zur Ausbreitung, Realisierung und Optimierung demokratischer Formen menschlichen Zusammenlebens zu leisten. Diesem Projekt unterwirft eine im anspruchsvollen Sinn pragmatistische Philosophie auch die traditionell aus theoretizistischer Perspektive untersuchten Fragen nach dem Verhältnis von Geist und Welt, nach der Struktur von Erkenntnis und Sprache bzw. nach der inneren Konstitution von Sinn und Bedeutung. An die Stelle der theoretizistischen Reflexion auf die Möglichkeitsbedingungen unseres realistischen oder antirealistischen Wirklichkeitsverständnisses tritt das pragmatische Experiment mit unterschiedlichen Alltagsepistemologien.

Ein zentrales Ziel der von Rorty vorgeschlagenen pragmatistischen Konzeption von Philosophie ist es, einen Beitrag dazu zu leisten, den repräsentationalistisch geprägten Common Sense, der an externen oder internen Autoritäten ausgerichtet ist, in einen antirepräsentationalistischen und antiautoritären Common Sense zu überführen, welcher der demokratischen Kultur der politischen Aufklärung erst wirklich angemessen wäre und deren politische Zielsetzungen weiter voranbringen könnte. Dieses Ziel artikuliert sich in Rortys Denken als „romantic hope of substituting new common sense for old common sense.“110 Die Schwachstelle von Rortys romantischem Pragmatismus besteht dabei darin, daß er keine konkreten Instrumentarien zu benennen versucht, die als Mittel zur Umsetzung des von ihm umrissenen Programms einer antirepräsentationalistischen Transformation des Common Sense dienen könnten.111 Statt dessen hofft er auf einen Glücksfall der Geschichte, der dazu führen könnte, daß die selbstzweckhaften Mutationen philosophischen Denkens, sofern sie sich in seltenen Einzelfällen doch einmal bis in den Common Sense hinein sedimentieren auf dem Weg dieser Sedimentierung so selektiert werden, daß „aus privaten Läuterungsvorhaben (...) Nebenprodukte hervor[gehen], deren gesellschaftlicher Nutzen sich als gewaltig erweist.“112


1 Vgl. hierzu exemplarisch Hilary Putnam, Für eine Erneuerung der Philosophie, Stuttgart: Reclam, 1997 (im Original zuerst: Renewing Philosophy, Cambridge/Mass. und London: Harvard University Press, 1992) und Richard Rorty, Hoffnung statt Erkenntnis. Eine Einführung in die pragmatische Philosophie, Wien: Passagen-Verlag, 1994 sowie ders., Philosophy and Social Hope, London, New York u.a.: Penguin, 1999 und Philosophie und die Zukunft, Frankfurt a.M.: Fischer, 2000.

2 Vgl. Klaus Ch. Köhnke, Entstehung und Aufstieg des Neukantianismus. Die deutsche Universitätsphilosophie zwischen Idealismus und Positivismus, Frankfurt a.M.: Suhrkamp,  1993.

3 Gustav Bergmann, Two Types of Linguistic Philosophy, in: ders., The Metaphysics of Logical Positivism, a.a.O., S. 106-131, hier: S. 106 u.ö. (zuerst in: The Review of Metaphysics, Bd. 5, März 1952, S. 417-438, hier: S. 417 u.ö.).

4 Gustav Bergmann, Strawson’s Ontology, in: ders., Logic and Reality, Madison: The University of Wisconsin Press, 1964, S. 171-192, hier: S. 177 (zuerst in: The Journal of Philosophy, Bd. 57, 1960, S. 601-622).

5 Wichtige Stationen der kontinentalen Vorgeschichte des linguistic turn sind mit Blick auf die Geschichte der Sprachphilosophie u.a. von Josef Simon (ders., Sprachphilosophie, Freiburg und München: Alber, 1981) und Tilman Borsche (Klassiker der Sprachphilosophie. Von Platon bis Noam Chomsky, hrsg. von Tilmann Borsche, München: Beck, 1996) markiert worden. Ein relatives Recht von Bergmanns Fixierung auf die englischsprachige Philosophie besteht darin, daß die Sprachphilosophie erst im Vollzug des linguistic turn, d.h. im Kontext der analytischen Philosophie eine institutionell wirkungsmächtige und sachlich ausgereifte Gestalt erhielt. Auf diese Formation konzentriert sich die vorliegende Darstellung.

6 Bergmann, Strawsons’s Ontology, in: ders., Logic and Reality, a.a.O., S. 177

7 Willard Van Orman Quine, Wort und Gegenstand (Word and Object), Stuttgart: Reclam, 1980, S. 467 (im Original zuerst: Word and Object, Cambridge/Mass.: Technology Press of the MIT,  1960).

8 Quine, Wort und Gegenstand, a.a.O., S. 467f.

9 Richard Rorty, Introduction: Metaphilosophical Difficulties of Linguistic Philosophy, in: The Linguistic Turn Essays in Philosophical Method (With Two Retrospective Essays), hrsg. von Richard Rorty, Chicago: University of Chicago Press, 1992 (zuerst: 1967), S. 1-39, hier: S. 3.

10 Rorty, Introduction, in: The Linguistic Turn, hrsg. von Richard Rorty, a.a.O., S. 14.

11 Rorty, Introduction, in: The Linguistic Turn, hrsg. von Richard Rorty, a.a.O., S. 33.

12 Rorty, Introduction, in: The Linguistic Turn, hrsg. von Richard Rorty, a.a.O., S. 31.

13 Rorty, Introduction, in: The Linguistic Turn, hrsg. von Richard Rorty, a.a.O., S. 31.

14 Richard Rorty, Der Spiegel der Natur. Eine Kritik der Philosophie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1987, S. 348 (im Original zuerst: Philosophy and the Mirror of Nature, Princeton New Jersey: Princeton University Press, 1979).

15 Rorty, Der Spiegel der Natur, a.a.O., S. 348.

16 Rorty, Der Spiegel der Natur, a.a.O., S. 348.

17 Rorty, Der Spiegel der Natur, a.a.O., S. 348.

18 Rorty, Introduction, in: The Linguistic Turn, hrsg. von Richard Rorty, a.a.O., S. 12.

19 Rorty, Der Spiegel der Natur, a.a.O., S. 189.

20 Richard Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism (Essays: 1972-1980), Minneapolis: University of Minnesota Press, 1982, S. XIII–XLVII, hier: S. XVIII (vgl. auch S. XVI).

21 Vgl. exemplarisch Rudolf Carnap, Der logische Aufbau der Welt, Hamburg: Meiner 1998, insbes. S. 211-261 (zuerst Berlin: Weltkreis 1928) und Alfred Ayer Sprache, Wahrheit und Logik, Stuttgart: Reclam 1981, insbes. S. 58-134 (im Original zuerst: London und New York: Gollancz 1936).

22 Zur Begriffsgeschichte von ‚Pragmatik‘ vgl. Hans Julius Schneider, Pragmatik, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, hrsg. von Joachim Ritter und Karlfried Gründer, a.a.O., Bd. 7, 1989, S. 1234-1241. Für eine systematische Darstellung der unterschiedlichen zeitgenössischen Verwendungsweisen des Begriffs der Pragmatik siehe Robert Brandom, „Pragmatik und Pragmatismus“, im vorliegenden Band, S. #-#.

23 Vgl. hierzu John Langshaw Austin, Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with Words), Stuttgart: Reclam, 1972 (im Original zuerst: Oxford: Clarendon Press, 1962) und John R. Searle, Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1971 (im Original zuerst: Speech Acts, Cambridge und New York: Cambridge University Press, 1969) sowie darauf aufbauend die von Apel und Habermas vorgelegten Arbeiten zu einer (quasi-)transzendentalen Universalpragmatik (u.a. Karl-Otto Apel, Transformation der Philosophie, 2 Bde., insbes. Bd. 2/II: Transformation der Transzendentalphilosophie: Das  Apriori der Kommunikationsgemeinschaft, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1973 sowie die Beiträge von Apel und Habermas in: Sprachpragmatik und Philosophie, hrsg. von Karl-Otto Apel, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1976).

24 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XIX.

25 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XIX.

26 Rorty, Der Spiegel der Natur, a.a.O., S. 17.

27 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XVIII.

28 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XXI.

29 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XXI.

30 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XXI.

31 Robert Brandom macht in seinem Beitrag zu dem vorliegenden Band den schnell zu Mißverständnissen führenden Versuch, diesen Unterschied unter Verwendung des Begriffs der Pragmatik auf beiden Seiten der Differenz zu explizieren. Brandoms affirmatives Verständnis von Pragmatik zielt auf eine Rekonstruktion der kontingenten sprachlichen Normen, auf die sich eine Sprachgemeinschaft intersubjektiv verpflichtet, um sich verständigen zu können. Insofern handelt es sich dabei um einen radikal detranszendentalisierten Theorietypus. Im Unterschied zu Brandom, der auf diesem Weg den alten (theoretizistischen) Begriff der Pragmatik mit neuen pragmatistischen Gehalten füllt, schlage ich aus Gründen begrifflicher Klarheit vor, das Substantiv ‚Pragmatik‘ (aber nicht das begriffsgeschichtlich eng mit dem Substantiv ‚Pragmatismus‘ verbundene Adjektiv ‚pragmatisch‘, das ich mehr oder weniger synonym mit ‚pragmatistisch‘ verwende) für die (quasi-) transzendentalen Theorieunternehmen zu reservieren, die sich damit traditionell verbinden. Zur Kritik an Brandom in diesem Punkt vgl. auch Richard Rorty, Robert Brandom on Social Practices and Representations, in: ders. Truth and Progress, Philosophical Papers, Bd. 3, Cambridge und New York: Cambridge University Press, 1998, S. 122-137. Resümierend stellt Rorty am Ende seines Aufsatzes mit Blick auf Brandoms terminologischen Konservatismus heraus: „It is hard to pour new wine into old bottles without confusing the customers“ (ebd., S. 134).

32 Rorty, Der Spiegel der Natur, a.a.O., S. 197.

33 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XXI.

34 Rorty, Der Spiegel der Natur, a.a.O., S. 426. Vgl. hierzu auch Richard Rorty, Hilary Putnam and the Relativist Menace, in: ders., Truth and Progress, a.a.O., S. 43-62, hier: S. 47, Anm. 16 (zuerst in: The Journal of Philosophy, Bd. 90, Nr. 9, September 1993, S. 443-461). Zur kritischen Auseinandersetzung mit der von ihm sogenannten „dämonisierenden Betrachtungsweise“ innerhalb der Rorty-Rezeption vgl. Bjørn Ramberg, Rorty und die Werkzeuge der Philosophie, im vorliegenden Band, S. #-#.

35 Rorty, Der Spiegel der Natur, a.a.O., S. 427.

36 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XIX.

37 Richard Rorty, Twenty-Five Years Later, in: The Linguistic Turn, hrsg. von Richard Rorty, a.a.O., S. 371-374, S. 373.

38 Rorty, Twenty-Five Years Later, in: The Linguistic Turn, hrsg. von Richard Rorty, a.a.O., S. 373.

39 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XIX.

40 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XXI.

41 Rorty, Introduction: Pragmatism and Philosophy, in: ders., Consequences of Pragmatism, a.a.O., S. XIX.

42 Die Differenz, die zwischen der Position des frühen und der des späten Wittgenstein besteht, läßt sich auch von der ersten Ambivalenz des linguistic turn her beschreiben. Ebenso impliziert die innere Spannung, die das Denken des späten Wittgenstein durchzieht, zugleich einen Bezug zur dritten Ambivalenz.

43 Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, in: ders., Werkausgabe, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1989, Bd. 1., S. 10.

44 Anthony Kenny, Wittgenstein über Philosophie, in: Ludwig Wittgenstein, Schriften, Beiheft 3: Wittgensteins geistige Erscheinung, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1979, S. 17.

45 Vgl. hierzu Mike Sandbothe, Pragmatismus und philosophische Medientheorie, in: Repräsentation und Interpretation, hrsg. von Evelyn Dölling, Reihe: Arbeitspapiere zur Linguistik, TU Berlin, 1998, S. 99-124, insbes. S. 113-122.

46 Richard Rorty, Epistemological Behaviorism and the De-Transcendentalization of Analytic Philosophy, in: Hermeneutics and Praxis, hrsg. von Robert Hollinger, Notre Dame/Indiana: University of Notre Dame Press, 1985, S. 89-121, hier: S. 96.

47 Rorty, Epistemological Behaviorism and the De-Transcendentalization of Analytic Philosophy, in: Hermeneutics and Praxis, a.a.O., S. 96.

48 Wilfrid Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, Paderborn: Mentis, 1999, S. 70 (im Original zuerst: Empiricism and the Philosophy of Mind, Minneapolis: University of Minnesota Press, 1956; Neuauflage: Cambridge/Mass. und London: Harvard University Press, 1997).

49 Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, a.a.O., S. 69.

50 Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, a.a.O., S. 69f.

51 Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, a.a.O., S. 70.

52 Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, a.a.O., S. 70.

53 Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, a.a.O., S. 70.

54 Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, a.a.O., S. 71.

55 Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, a.a.O., S. 70.

56 Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, a.a.O., S. 71.

57 Sellars, Der Empirismus und die Philosophie des Geistes, a.a.O., S. 71.

58 Quine, Wort und Gegenstand, a.a.O., S. 21.

59 Willard van Orman Quine, Zwei Dogmen des Empirismus, in: ders., Von einem logischen Standpunkt. Neun logisch-philosophische Essays, Frankfurt a.M., Berlin und Wien: Ullstein, 1979, S. 27-50, hier: S. 48 (im Original zuerst in: Philosophical Review, Bd. LX, Heft 1, Januar 1951, S. 20-43; wiederabgedruckt in: ders., From A Logical Point of View. Nine Logico-Philosophical Essays, Cambridge/Mass. und London: Harvard University Press 1953).

60 Quine, Zwei Dogmen des Empirismus, in: ders., Von einem logischen Standpunkt, a.a.O., S. 47.

61 So der Titel eines Buchs, das Quine 1970 zusammen mit Joseph S. Ullian publiziert hat (New York und Toronto, Random House).

62 Willard Van Orman Quine, Naturalisierte Erkenntnistheorie, in: ders., Ontologische Relativität und andere Schriften, Stuttgart: Reclam, 1975, S. 97-126, hier: S. 122 (im Original zuerst: Epistemology Naturalized, in: ders. Ontological Relativity and Other Essays, New York und London: Columbia University Press, 1969, S. 69-90).

63 Quine, Naturalisierte Erkenntnistheorie, in: ders., Ontologische Relativität und andere Schriften, a.a.O., S. 122.

64 Quine, Naturalisierte Erkenntnistheorie, in: ders., Ontologische Relativität und andere Schriften, a.a.O., S. 124.

65 Quine, Naturalisierte Erkenntnistheorie, in: ders., Ontologische Relativität und andere Schriften, a.a.O., S. 124.

66 Quine, Naturalisierte Erkenntnistheorie, in: ders., Ontologische Relativität und andere Schriften, a.a.O., S. 115.

67 Quine, Naturalisierte Erkenntnistheorie, in: ders., Ontologische Relativität und andere Schriften, a.a.O., S. 115.

68 Quine, Naturalisierte Erkenntnistheorie, in: ders., Ontologische Relativität und andere Schriften, a.a.O., S. 115.

69 Donald Davidson, Was ist eigentlich ein Begriffsschema?, in: ders., Wahrheit und Interpretation, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1986, S. 261-282, hier: S. 270 (im Original zuerst in: Proceedings and Addresses of the American Philosophical Association, Bd. 47, 1974, S. 5-20; wiederabgedruckt in: ders., Inquiries into Truth and Interpretation, Oxford und New York: Oxford Universtiy Press, 1984).

70 In seiner Retrospektive auf den eigenen Denkweg, die sich in dem Aufsatz Davidson between Wittgenstein and Tarski (in: Crítica. Revista Hispanoamericana de Filosofia, Bd. 30, Heft 88, April 1998, S. 49-71) findet, schreibt Rorty: „In 1971 my philosophical views were shaken up, and began to be transformed. That was the year in which Davidson let me see the text of his 1970 Locke Lectures, which included an early draft of his On the Very Idea of a Conceptual Scheme“ (ebd. S. 51). Vgl. hierzu auch Davidsons Kommentar: „I have always been grateful to Richard Rorty for his response to my thoughts about conceputal schemes. For a time it seemed to me almost no one else understood what I was getting at in On the Very Idea of a Conceptual Scheme, and it mattered a good deal to me that Rorty not only grasped the main point but also endorsed it“ (Donald Davidson, Reply to Rorty, in: The Philosophy of Donald Davidson, hrsg. von Lewis Edwin Hahn, The Library of Living Philosophers, Bd. XXVII, Chicago und La Salle Illinois: Open Court, 2000, S. 595-600, hier: S. 595). Eine Dokumentation der bis heute andauernden Debatte zwischen Davidson und Rorty findet sich in: Wozu Wahrheit? Schlüsseltexte der Davidson-Rorty-Debatte, hrsg. von Mike Sandbothe, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft, 2001 (in Vorbereitung).

71 Davidson, Was ist eigentlich ein Begriffsschema?, in: ders., Wahrheit und Intepretation, a.a.O., S. 270.

72 Davidson, Was ist eigentlich ein Begriffsschema?, in: ders., Wahrheit und Intepretation, a.a.O., S. 270.

73 Bergmann, Logic and Reality, a.a.O., S. 177.

74 Quine, Wort und Gegenstand, a.a.O., S. 467.

75 Bergmann, Logic and Reality, a.a.O., S. 177.

76 Quine, Wort und Gegenstand, a.a.O., S. 467.

77 Quine, Wort und Gegenstand, a.a.O., S. 468f.

78 Quine, Wort und Gegenstand, a.a.O., S. 468f.

79 Donald Davidson, Eine Kohärenztheorie der Wahrheit und der Erkenntnis, in: Analytische Erkenntnistheorie, hrsg. von Peter Bieri, Frankfurt a.M: Beltz/Athenäum, 1987, S. 271-290, hier: S. 275 (im Original zuerst in: Kant oder Hegel?, hrsg. von Dieter Henrich, Stuttgart: Klett-Cotta, 1983, S. 423-438).

80 Vgl. Quine, Wort und Gegenstand, a.a.O., Kapitel II, S. 59-147, insbes. S. 67f. Zur Abgrenzung der von Davidson vertretenen „distale(n) Theorie“ gegenüber der von Quine favorisierten „proximalen Theorie“ siehe Davidson, Bedeutung, Wahrheit und Belege, in: ders., Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, Stuttgart: Reclam, 1993, S. 40-64, hier: S. 49ff (im Original zuerst: Meaning, Truth, and Evidence, in: Perspectives on Quine, hrsg. von Robert Barrett und Roger Gibson, Oxford und Cambridge/Mass.: Blackwell, 1990, S. 68-79).

81 Quine, Wort und Gegenstand, a.a.O., S. 53.

82 Donald Davidson, Radikale Interpretation, in: ders., Wahrheit und Interpretation, a.a.O., S. 183-203.

83 Richard Rorty, Pragmatismus, Davidson und der Wahrheitsbegriff, in: Die Wahrheit der Interpretation, hrsg. von Eva Picardi und Joachim Schulte, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1990, S. 55-96, hier: S. 67 (im Original zuerst in: Truth and Interpretation. Perspectives on the Philosophy of Donald Davidson, hrsg. von Ernest LePore, Oxford und Cambridge/Mass.: Blackwell, 1986, S. 333-355).

84 Rorty, Pragmatismus, Davidson und der Wahrheitsbegriff, in: Die Wahrheit der Interpretation, hrsg. von Eva Picardi und Joachim Schulte, a.a.O., S. 70.

85 Donald Davidson, Externalisierte Erkenntnistheorie, in: ders. Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 65-83, hier: S. 81.

86 Davidson, Externalisierte Erkenntnistheorie, in: ders. Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 81.

87 Davidson, Bedeutung, Wahrheit und Belege, in: ders. Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 45.

88 Davidson, Externalisierte Erkenntnistheorie, in: ders. Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 81.

89 Davidson, Externalisierte Erkenntnistheorie, in: ders. Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 82.

90 Davidson, Externalisierte Erkenntnistheorie, in: ders. Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 82.

91 Davidson, Externalisierte Erkenntnistheorie, in: ders. Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 65.

92 Davidson, Externalisierte Erkenntnistheorie, in: ders. Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 67.

93 Donald Davidson, Eine hübsche Unordnung von Epitaphen, in: Die Wahrheit der Interpretation, hrsg. von Eva Picardi und Joachim Schulte, a.a.O., S. 203-227, hier: S. 227 (im Original zuerst in: Truth and Interpretation. Perspectives on the Philosophy of Donald Davidson, hrsg. von Ernest LePore, a.a.O., S. 433-446).

94 Davidson, Was ist eigentlich ein Begriffsschema?, in: ders., Wahrheit und Interpretation, a.a.O., S. 270.

95 Vgl. hierzu Donald Davidson, The Myth of the subjective, in: Bewußtsein, Sprache und die Kunst, hrsg. von Michael Benedikt und Rudolf Burger, Wien: Verlag der österreichischen Staatsdruckerei, 1988, S. 45-54; deutsch: Der Mythos des subjektiven, in: Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 84-107, hier: S. 86.

96 Richard Rorty, Sind Aussagen universelle Geltungsansprüche?, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Bd. 42, Heft 6, 1994, S. 975-988, hier: S. 976.

97 Davidson, Eine hübsche Unordnung von Epitaphen, in: Die Wahrheit der Interpretation, hrsg. von Eva Picardi und Joachim Schulte, a.a.O., S. 226.

98 Donald Davidson, Could there be a Science of Rationality?, in: International Journal of Philosophical Studies, Bd. 3, Heft 1, 1995, S. 1-16, hier: S.  13.

99 Davidson, Could there be a Science of Rationality?, a.a.O., S. 8.

100 Davidson, Could there be a Science of Rationality?, a.a.O., S. 6.

101 Davidson, Could there be a Science of Rationality?, a.a.O., S. 8.

102 Davidson, Could there be a Science of Rationality?, a.a.O., S. 8.

103 Davidson, Der Mythos des subjektiven, in: ders., Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 84. Vgl. hierzu auch im gleichen Aufsatz S. 98f.

104 Rorty, Hilary Putnam and the Relativist Menace, in: ders., Truth and Progress, a.a.O., S. 57. Vgl. hierzu auch ders., Kontingenz, Ironie und Solidarität, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1989, S. 122 sowie ders., Pragmatism, in: Routledge Encyclopedia of Philosophy, hrsg. von Edward Craig, London und New York: Routledge, 1998, Bd. 7, S. 633-640, hier: S. 638: „The naturalist strain in pragmatism (...) is (...) important mainly as a strategy for shifting philosophers‘ attention from the problems of metaphysics and epistemology to the needs of democratic politics.“

105 Richard Rorty, Pragmatism as Anti-Authoritarianism, in: Revue Internationale de Philosophie, Nr. 207, 1/1999, S. 7-20, hier: S. 7.

106 Richard Rorty, Response to Frank Farrell, in: Rorty & Pragmatism. The Philosopher Responds to His Critics, hrsg. von Herman J. Saatkamp, Nashville und London: Vanderbilt University Press, 1995, S. 189-195, hier: S. 195.

107 Davidson, Der Mythos des subjektiven, in: ders., Der Mythos des subjektiven. Philosophische Essays, a.a.O., S. 100.

108 Richard Rorty, Der Vorrang der Demokratie vor der Philosophie, in: ders., Solidarität oder Objektivität? Drei philosophische Essays, Stuttgart: Reclam, 1988, S. 82-125 (im Original zuerst: The Priority of Democracy to Philosophy, in: The Virginia Statute of Religious Freedom, hrsg. von Merrill Peterson und Robert Vaughan, Cambridge: Cambridge University Press, 1988, S. 257-288).

109 Im Unterschied zu Davidson und Brandom und im Schulterschluß mit Rorty konfiguriert zwar auch Habermas Philosophie dezidiert politisch. Aber anders als Rorty ist Habermas der Ansicht, daß die politischen Ideale einer zivilgesellschaftlich grundierten Demokratie sich ohne einen intersubjektivitätstheoretisch fundierten Repräsentationalismus nicht umsetzen lassen. Diesen konfiguriert Habermas als „pragmatistischen Erkenntnisrealismus“ (Jürgen Habermas, Einleitung: Realismus nach der sprachpragmatischen Wende, in: ders., Wahrheit und Rechtfertigung. Philosophische Aufsätze, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 65-101, hier: S. 14) bzw. als einen „Kantische(n) Pragmatismus, der sich auf das transzendentale Faktum stützt, daß sprach- und handlungsfähige Subjekte, die sich von Gründen affizieren lassen, lernen können – auf längere Sicht sogar ‚nicht nicht lernen können‘“ (Habermas, Einleitung: Realismus nach der sprachpragmatischen Wende, in: ders., Wahrheit und Rechtfertigung, a.a.O., S. 16).

110 Richard Rorty, On Moral Obligation, Truth, and Common Sense, in: Debating the State of Philosophy. Habermas, Rorty, and Kolakowski, hrsg. von Józef Niznik und John T. Sanders, Westport/Conn. und London: Praeger, 1996, S. 48-52, hier: S. 52.

111 Einen Vorschlag, wie sich diese Schwachstelle mit den Mitteln der Medienphilosophie ein Stück weit kompensieren lassen könnte, mache in meinem in Vorbereitung befindlichen Buch Pragmatische Medienphilosophie, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft, 2001.

112 Richard Rorty, Heidegger, Kundera und Dickens, in: ders., Eine Kultur ohne Zentrum. Vier philosophische Essays, Stuttgart: Reclam, 1993, S. 72-103, hier: S. 85 (im Original zuerst: Heidegger, Kundera, and Dickens, in. ders., Essays on Heidegger and Others, Philosophical Papers, Bd. 2, Cambridge und London: Cambridge University Press, 1991, S. 66-82).

Nach oben

-- 37.482 Zugriffe auf diesen Text seit dem 01/09/00 --